Türkei: Auf in die Schule, Mädchen!

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Mit der Kampagne "Haydi Kizlar Okula" - "Auf in die Schule, Mädchen!" will UNICEF allen Kindern den Schulbesuch ermöglichen. Von UNICEF ausgebildete Freiwillige gehen in den Dörfern von Tür zu Tür, um die Eltern vom Schulbesuch für ihre Töchter zu überzeugen. Damit Kinder in benachteiligten Regionen schnell Klassenräume haben, richtet UNICEF auch einfache Schulen in Containern ein.
Zu wenig Schulen und Lehrer. Vor allem im Südosten der Türkei gibt es auf dem Land nicht genügend Schulen, die Klassenzimmer sind häufig überfüllt. Viele Schulgebäude haben weder Trinkwasseranschluss noch angemessene Toiletten. Es fehlt an Lehrern, besonders Lehrerinnen. Für die Mädchen sind die weiten Wege auf dem Land eine zusätzliche Hürde: Aus Angst vor vorehelichen Beziehungen verbieten viele Eltern ihren Töchtern, zusammen mit Jungen den Schulbus zu benutzen. Die Söhne werden meist auch bevorzugt, wenn arme Familien nur einige ihrer Kinder mit Schulmaterial und Uniformen ausstatten können.
Die Mädchen bleiben zu Hause, beaufsichtigen jüngere Geschwister oder helfen bei der Hausarbeit. Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass sie für alle ihre Kinder staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen könnten. Doch die Voraussetzung für ein Schulstipendium ist eine Geburtsurkunde - und dieses wichtige Papier besitzt in der Türkei jedes vierte Kind nicht.
Mädchenbildung gilt als überflüssig. Bildung für Mädchen gilt in traditionellen, ländlichen Regionen der Türkei auch heute noch bei vielen Eltern als überflüssig. Oft sind Mutter und Vater selbst Analphabeten: In der Türkei kann jede vierte Frau nicht Lesen und Schreiben, bei den Männern ist es jeder fünfzehnte. Jedes sechste Mädchen wird vor seinem 19. Geburtstag verheiratet, die meisten bekommen schnell mehrere Kinder - besonders für arme Familien ist der Brautpreis noch immer eine wichtige Einkommensquelle.
Auch in den ärmeren Vierteln der Städte gehen viele Mädchen nicht zur Schule, allein in der Provinz Istanbul sind es 75.000. Türkische Mädchen leiden aber nicht nur unter Missachtung und Chancenlosigkeit, sondern häufig auch unter häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen - im Extremfall bis hin zu so genannten "Ehrenmorden". Bestehende Gesetze werden häufig nicht mit Nachdruck durchgesetzt. Ohne Bildung können die Mädchen sich kaum zur Wehr setzen. Schule ist deshalb für sie der Schlüssel für mehr Gleichberechtigung.
Was tut UNICEF?
1. Einrichtung zusätzlicher Schulen: UNICEF will besonders in den ländlichen Regionen der Türkei schnell zusätzlichen Unterrichtsraum schaffen und stellt deshalb 35 einfache Schulcontainer bereit. Sie bieten Platz für jeweils 40 Kinder. UNICEF unterstützt auch die Instandsetzung der bestehenden Dorfschulen und stellt den Kindern Hefte, Stifte und weiteres Schulmaterial zur Verfügung. UNICEF konzentriert sich bei dieser Arbeit auf die östlichen Provinzen Van, Agri, Sanliurfa und Diyarbakir.
2. Aufklärung in den Dörfern: UNICEF hilft, Lehrer, Schulleiter und religiöse Führer für die Kampagne "Auf in die Schule" zu gewinnen und sie zu schulen. Freiwillige Helfer gehen von Tür zu Tür und informieren die Familien über Unterstützungsmöglichkeiten. Arme Familien können beispielsweise ein staatliches Stipendium beantragen, das den Verdienstausfall der Kinder ausgleicht, wenn sie statt zur Arbeit in die Schule gehen.
Für jede Tochter, die zur Schule geht, erhalten sie rund 10 Euro im Monat, für jeden Sohn 8 Euro - vorausgesetzt, das Kind nimmt regelmäßig und erfolgreich am Unterricht teil. Die von UNICEF unterstützten Freiwilligen helfen beim Ausfüllen der notwendigen Formulare. UNICEF stellt zudem Informationsmaterial wie Broschüren und Aufkleber bereit und wirbt mit Radio- und Fernsehbeiträgen für die Kampagne.
3. Verbesserung des Unterrichts: UNICEF setzt sich in der Türkei zudem dafür ein, die Qualität des Unterrichts zu verbessern und die Kinder aktiv in den Unterricht einzubeziehen. UNICEF hilft auch bei der Modernisierung des Unterrichtsmaterials. So verbreiten viele Schulbücher noch immer Rollenklischees von Mädchen und Jungen. UNICEF wirkt zudem auf die Regierung ein, mehr Lehrer für entlegene Regionen einzustellen.
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